Dienstag, 6. Mai 2014
Sonst noch was?
Sonst noch was? Schreibt Tobias Haberl am Freitag, den 25.04.14 im SZ Magazin. Er vertritt die These, heutige Eltern könnten auf nichts mehr verzichten.
Tobias Haberl hat selbst noch keine Kinder. Er ist 38 Jahre alt. Er will Kinder.
Er wird ganz schön blöd aus der Wäsche schauen, wenn er dann mal realisiert, auf was er dann alles so verzichtet, wenn die lieben Kleinen dann mal da sind.
Lieber Tobias Haberl, Kinder bedeuten mehr als Verzicht auf Blubberbläschen im Mineralwasser.
Kinder haben heißt:
Verzicht auf Schlaf: ein bis dreimal werde ich mindestens von meinen Kindern pro Nacht geweckt.
Verzicht auf Platz im Bett: Greta kommt fast jede Nacht zu uns, weil sie schlecht geträumt hat.
Verzicht auf Alkohol: In der Schwangerschaft, in der Stillzeit, danach, weil man sonst einfach den nächsten Tag nicht packt.
Verzicht auf Zeit für sich selbst: Kinder fordern einen rund um die Uhr, Zeit zum Lesen, Musik hören, träumen oder Sport treiben wird sehr knapp.
Verzicht auf schöne Kleidung: Es bleibt weder Zeit noch Geld zum Einkaufen.
Verzicht aufs Fernsehen: Tagsüber lässt man den Fernseher aus, damit die Kleinen nicht mitgucken und abends ist man oft einfach zu müde.
Verzicht aufs Weggehen: Babysitter gibt es, aber sie sind teuer und haben abends oft keine Zeit, weil sie selbst ganz gerne mal weggehen.
Verzicht auf Privatsphäre: Kinder verfolgen einen bis aufs Klo und wollen alles, wirklich alles von einem wissen.
Verzicht auf Zeit mit Freunden: Wenn man Kinder hat, hat man tagsüber wenig Zeit, Freunde zu treffen. Kinderlose Freunde will man mit den Bälgern nicht gerne nerven.
Verzicht auf den Job: Da geht es gar nicht um Karriere. Viele Mütter verlieren ihren Job, nachdem sie ein Kind bekommen haben. Vollzeitjobs können sie nicht mehr ausüben und in Teilzeit lassen sich viele Jobs nicht machen.
Verzicht auf Geld: Spielsachen, Kinderklamotten und Kinderkrippen sind unglaublich teuer. Bei uns in der Stadt kostet ein Krippenplatz 500 Euro.
Weiß Tobias Haberl das?
Kinder sind toll. Sie sind es wert, auf sehr vieles zu verzichten. Und ja, Herr Haberl, wir müssen unsere Ansprüche reduzieren.
Kriegen sie Kinder, Herr Haberl. Reduzieren Sie Ihre Ansprüche. Eins kann ich Ihnen sagen, das ist mehr als auf Blubberbläschen im Mineralwasser verzichten. Viel mehr!
Auf meinen Beruf möchte ich nicht verzichten, Herr Haberl. Weder auf die Anerkennung die ich dort bekomme, noch auf das Geld, das ich dort verdiene. Da geht es nicht um die "15 Quadratmeter größere Wohnung". Da geht es um einen Teil meines Lebens, den ich sehr mag. Da geht es um Gleichberechtigung von Frau und Mann, in der Familie (es ist nicht ganz unerheblich selbst einen Teil des Einkommens beizusteuern) und außerhalb der Familie. Ein Beruf bringt auch gesellschaftliche Anerkennung.
Und im Gegensatz zu Ihnen, verehrter Herr Haberl, bin ich der Meinung, dass die Politik bessere Bedingungen dafür schaffen muss, dass beides gleichzeitig möglich ist: Beruf und Familie.
Einen Beruf haben heißt noch nicht Karriere machen zu wollen. Das ist der entscheidende Punkt: Die meisten Frauen wollen eigentlich nur ihren Beruf ausüben und dennoch für ihre Kinder da sein.
Ihren Beruf ausüben, das heißt dem Beruf nachgehen, für den sie vor der Geburt ihrer Kinder auch auf vieles verzichtet haben.
Nicht nur Männer, auch Frauen hatten einmal ein Leben vor den Kindern.
Ein Leben, in dem sie beruflich mehr oder minder erfolgreich waren. Einen Beruf ausgeübt haben, für den sie Überstunden gemacht haben, aufs Wochenende verzichtet haben, nachts gearbeitet haben. Mit Babybauch gegen den Schreibtisch gedrückt gearbeitet haben.
Und dann, lieber Herr Haberl, passiert es leider sehr vielen diesen Frauen, dass sie nach der Geburt ihres Kindes plötzlich keine Stelle mehr haben, die sie realistisch ausfüllen können.
Im Gegensatz zu dem, was sie annehmen, wollen die meisten Frauen ihre Kinder nämlich nicht schnell in eine "Betreuungsstelle abschieben". Sie wollen eine sehr gute Halbtagskrippe, oder eine liebe Tagesmutter für ihr Kind. Sie wollen, dass ihr Kind ein paar Stunden unter anderen Kindern sein kann, wo es spielen und lernen darf, während sie selbst wieder ihrem Beruf nachgehen. Halbtags, wenn möglich.
Nein, Kinder und Karriere lassen sich wirklich kaum vereinbaren, da haben sie schon recht, Herr Haberl. Aber Kinder und Beruf, das ginge schon. Und da ist sehr wohl die Politik gefragt!
Da müsste es Regeln geben, die verhindern, dass Frauen, nachdem sie Kinder geboren haben, einfach rausgedrängt werden aus dem Arbeitsmarkt. Und auch was die Kinderbetreuung betrifft, könnten die Politiker bessere Bedingungen schaffen. 500 Euro für einen Krippenplatz sind zu viel.
Sonntag, 4. Mai 2014
Sonntags 10 von 10
10 gute bzw. schlechte Dinge der Woche:
1. Eine Wiese voller Pusteblumen gesehen
2. Oma und Opa besucht
3. Mal ausschlafen dürfen, weil die Oma mit Lilli und Greta Semmeln holen ging
4. Ein Picknick mit der ganzen Familie gemacht
5. Lillis zweiter Zahn ist da.
6. Greta ist mit Oma schwimmen gegangen und durfte ganz viel Fahrrad fahren.
7. Lilli lernt laufen (hangelt sich an Möbeln bzw. Baumstämmen entlang).
8. Die Tage bis zu Lillis erstem Geburtstag gezählt und überlegt, was man ihr bloß schenken kann (vielleicht kinetischen Sand für drinnen?)
9. An die anstrengenden letzten Wochen vor Lillis Geburt gedacht und froh gewesen, dass das vorbei ist...
10. Leider nicht viel Zeit zum Bloggen gehabt
1. Eine Wiese voller Pusteblumen gesehen
2. Oma und Opa besucht
3. Mal ausschlafen dürfen, weil die Oma mit Lilli und Greta Semmeln holen ging
4. Ein Picknick mit der ganzen Familie gemacht
5. Lillis zweiter Zahn ist da.
6. Greta ist mit Oma schwimmen gegangen und durfte ganz viel Fahrrad fahren.
7. Lilli lernt laufen (hangelt sich an Möbeln bzw. Baumstämmen entlang).
8. Die Tage bis zu Lillis erstem Geburtstag gezählt und überlegt, was man ihr bloß schenken kann (vielleicht kinetischen Sand für drinnen?)
9. An die anstrengenden letzten Wochen vor Lillis Geburt gedacht und froh gewesen, dass das vorbei ist...
10. Leider nicht viel Zeit zum Bloggen gehabt
Sonntag, 27. April 2014
Sonntags 10 von 10
10 gute bzw. schlechte Dinge der Woche:
1. Lillis erster Zahn blitzt durch.
2. Babyspielzeug ausgemistet und gleich weiterverschenkt
3. Drei Babyschlafsäcke für 60 Euro bei ebay verkauft
4. Besuch aus Italien! Meine wunderbare Freundin mit Mann und Baby ...
5. Mit Lilli und Greta ein Picknick im Park gemacht.
6. Greta fürs Picknick beim Bäcker einkaufen lassen. Als sie zurückkam, zeigte sie mir stolz, dass sie 5 Butterbrezeln und eine normale statt der von mir bestellten 2 Butterbrezeln gekauft hatte. "Wir machen doch ein Picknick! Da hat man viel Hunger!"
...Noch stolzer war sie allerdings, dass sie das alles für 3 Euro bekommen hatte!
7. Über Lilli und Greta in der Badewanne gelacht, als beide versuchten, das Wasser wie die Hunde auszusaufen.
8. Lilli zeigt jetzt deutlich ihren Willen und wird ziemlich wütend, wenn sie ihn nicht bekommt. Sie ist ein richtiges kleines Kind geworden.
9. Mal Zeit für mich gehabt... Am Fluss gesessen und lange nachgedacht. Von unseren Großeltern ist jetzt keiner mehr da.
10. Von einem alten Freund auf der Straße auf meine mehr werdenden grauen Haare angesprochen worden.
1. Lillis erster Zahn blitzt durch.
3. Drei Babyschlafsäcke für 60 Euro bei ebay verkauft
4. Besuch aus Italien! Meine wunderbare Freundin mit Mann und Baby ...
5. Mit Lilli und Greta ein Picknick im Park gemacht.
6. Greta fürs Picknick beim Bäcker einkaufen lassen. Als sie zurückkam, zeigte sie mir stolz, dass sie 5 Butterbrezeln und eine normale statt der von mir bestellten 2 Butterbrezeln gekauft hatte. "Wir machen doch ein Picknick! Da hat man viel Hunger!"
...Noch stolzer war sie allerdings, dass sie das alles für 3 Euro bekommen hatte!
7. Über Lilli und Greta in der Badewanne gelacht, als beide versuchten, das Wasser wie die Hunde auszusaufen.
8. Lilli zeigt jetzt deutlich ihren Willen und wird ziemlich wütend, wenn sie ihn nicht bekommt. Sie ist ein richtiges kleines Kind geworden.
9. Mal Zeit für mich gehabt... Am Fluss gesessen und lange nachgedacht. Von unseren Großeltern ist jetzt keiner mehr da.
10. Von einem alten Freund auf der Straße auf meine mehr werdenden grauen Haare angesprochen worden.
Donnerstag, 24. April 2014
Muss man als Mama eine Heilige sein?
Als ich kürzlich bei einer Freundin zu Besuch war, gebrauchte ich beim Mittagessen ein ganz und gar unerlaubtes Schimpfwort. "So ein A....!", sagte ich.
"Pssst!", sagte meine Freundin.
"Pssst?" Zuerst wusste ich gar nicht, was sie meinte. Der "A..." war doch gar nicht da. Dann erst wurde mir klar, um wen es ging. Da waren ja noch die Kinder mit am Tisch.
Ihre beiden, meine beiden....
Ich fluche oft, wenn ich mich ärgere.
Auch vor Greta und Lilli.
Komischerweise übernimmt Greta davon rein gar nichts. Der Wortschatz meiner Tochter ist bisher schimpfwortfrei geblieben. "Du bist blöd!" war bisher das Schlimmste, was ich von Greta gehört habe. (Lilli kann bisher nur "Nein", "Mama" und "Papa" sagen. Fürs Fluchen ist sie noch zu klein.)
Vielleicht ändert sich das ja noch. Bei der Mama!
Mein Mann schätzt meine Flucherei auch nicht. "Ist dir eigentlich schon mal aufgefallen, dass zwei deiner Blogartikel vulgäre Wörter im Titel haben?", fragte er mich erst gestern. (Über eine "Preißnsau", den "Herrn Pfarrer" und Gretas Kindergarten)
(Das interessiert doch keine Sau!)
Stimmt. Gehört sich nicht. Aber... ich brauche das Fluchen. Wenn ich sauer bin, hilft es mir verbal Dampf abzulassen. Und das geht auf keinen Fall, indem ich "Mist!" sage. Wenn was richtig schlimm ist, bleibt nur "Sch...".
Dass man vor Kindern nicht fluchen darf, finde ich Unsinn. Ich trinke auch Kaffee, Bier, Sekt und Wein und Greta sieht mich dabei. Sie mag dennoch keinen Kaffee oder Alkohol trinken. Und nur weil Mama flucht, muss Greta trotzdem nicht fluchen. Hat sie bisher noch nicht einmal versucht.
Als Mutter muss man eine Heilige sein. Eine Kollegin erklärte mir mal beim Skifahren, ab jetzt müsse ich einen Helm tragen, ich sei jetzt MUTTER und habe VERANTWORTUNG!
Helm tragen. Vorbild sein.
Ja, ich bin Mutter, habe auch Verantwortung, bin aber auch Mensch und als solcher gerne auch mal helmfrei. Ich bin nicht perfekt.
Wenn Greta mich fluchen hört, erkläre ich ihr manchmal, dass das nicht so gut ist, was ich da gerade gesagt habe. Manchmal schaut Greta mich auch gleich nach dem Fluchen an, grinst und sagt: "Das sagen wir doch nicht, Mama!" Da hat sie verdammt recht. Irgendwie. "Sch..." sagt man nicht.
Auch wenn ich sie mal anschreie, nur weil mir der Geduldsfaden reißt, weil grad etwas ganz blöd gelaufen ist, sage ich ihr, dass das jetzt nicht in Ordnung war.
Ich habe das Gefühl, Greta kann ganz gut damit leben. Ihre Mama trinkt Kaffee, konsumiert Alkohol, flucht und schreit manchmal, obwohl sie eine geduldige Mutter sein möchte.
Nein. Greta kommt nicht nur gut klar damit, sie scheint mir sogar froh zu sein, dass die Mama Fehler macht und gar nicht perfekt ist.
Dass ihre Mama sich auch mal entschuldigen muss, findet Greta sogar ganz großartig.
Kurz nach dem Mittagessen sagte die Tochter meiner Freundin zu ihrer kleinen Schwester: "Du Dummkopf!"
Hab ich mich gefreut.
Sonntag, 20. April 2014
Sonntags 10 von 10
10 gute bzw. schlechte Dinge der Woche:
Diesmal neun gute Dinge und eine ganz traurige Nachricht
1. Lilli und Greta haben im Wohnzimmer mit Kirschkernen "Schütten" gespielt.
2. Mit Greta in der Küche getanzt und gesungen.
3. Kinderkleidung bei ebay eingestellt.
4. Alte Freunde auf dem Land besucht.
5. Unsere Kinder haben sich bei unseren Freunden gut benommen, keine Wutanfälle gehabt und sind abends sofort eingeschlafen.
6. Greta durfte dort mal ganz lange und weit dem Fahrrad fahren.
7. Ich habe ein Kleid für Greta im Schaufenster eines Secondhandshops gesehen und im Vorbeiradeln gekauft (Drive Through Second Hand Shopping).
8. Endlich eineinhalb Kilo abgenommen, obwohl ich diese Woche zweimal Fastfood gegessen habe.
9. Mit der ganzen Familie und allen Kindern beim Onkel im Garten gegrillt und Ostern gefeiert.
10. Gretas und Lillis Urgroßvater ist gestorben. Er wird uns sehr fehlen.
Diesmal neun gute Dinge und eine ganz traurige Nachricht
1. Lilli und Greta haben im Wohnzimmer mit Kirschkernen "Schütten" gespielt.
2. Mit Greta in der Küche getanzt und gesungen.
3. Kinderkleidung bei ebay eingestellt.
4. Alte Freunde auf dem Land besucht.
5. Unsere Kinder haben sich bei unseren Freunden gut benommen, keine Wutanfälle gehabt und sind abends sofort eingeschlafen.
6. Greta durfte dort mal ganz lange und weit dem Fahrrad fahren.
7. Ich habe ein Kleid für Greta im Schaufenster eines Secondhandshops gesehen und im Vorbeiradeln gekauft (Drive Through Second Hand Shopping).
8. Endlich eineinhalb Kilo abgenommen, obwohl ich diese Woche zweimal Fastfood gegessen habe.
10. Gretas und Lillis Urgroßvater ist gestorben. Er wird uns sehr fehlen.
Samstag, 19. April 2014
Über eine "Preißnsau", den "Herrn Pfarrer" und Gretas Kindergarten
"Also deinen Blog mag ich ja, aber der Artikel Greta und die Religion stellt dich in einem unmöglichen Licht dar", sagte mir meine Münchner Freundin gestern am Telefon. "Das kann wirklich kein Mensch nachvollziehen, der nicht aus Bayern kommt. Mein Mann (ein Finne, Anmerkung der Autorin) sagt, du bist verrückt, dass du dein Kind in so einem Kindergarten gehen lässt! Wie kannst du Greta da weiter hinschicken? Die haben doch einen an der Waffel!", schimpfte sie weiter.
Meine Freundin ist eine richtige Bayerin, ich nicht. Ich bin bloß "zugroast" (zugezogen), wie die Bayern sagen. Bin zwar in München geboren, aber meine Eltern sind aus Norddeutschland. Genau genommen bin ich daher ein Preiß!
Das habe ich schon im Kindergarten erfahren. Dort wurde mir nämlich immer dann, wenn ich versuchte argumentativ zu begründen, warum ich das Spielzeug noch ein bisschen behalten wollte, gesagt, ich sei halt ein "Preißenkind" und daher dürfe ich die Schaufel sowieso nicht haben. Als ich einmal ein anderes Kind darauf hinwies, dass ich in München geboren wurde, wurde mir kurz und knapp gesagt: "A Sau die im Kuhstoil auf d`Welt kemma is, is immer no a Sau!" (Ein Schwein, das im Kuhstall geboren ist, ist immer noch ein Schwein)
Ich bin also "a Preißensau".
An meiner Herkunft liegt es daher nicht, dass ich Greta in einen sehr katholischen Kindergarten schicke.
Für besonders katholisch halte ich mich auch nicht (siehe dazu auch Greta und die Religion ).
Aber der Kindergarten ist trotz dieses ganzen Karwochenwahnsinns (Dornenkrone im Gruppenraum, Kreuzweglieder, Kreuzweggottesdienst etc.) eine sehr gute Einrichtung.
Die Erzieherinnen sind sehr lieb zu den Kindern, die Leiterin kennt jedes Kind persönlich mit dem Namen und umarmt die Kinder sehr oft. Der Kindergarten selbst ist hell und freundlich eingerichtet. Einen großen Garten haben sie auch. Mitten in der Stadt. Reich war die katholische Kirche schließlich schon immer. Viele Häuser und Grundstücke hier in der Altstadt gehören dem Klerus. Warum dann nicht auch einen Riesengarten in Toplage? Spielen schließlich Kinder da.
Natürlich gibt es einige Dinge, die mir fremd sind. Aber insgesamt überwiegen für mich die Vorteile. Vor allem aber geht Greta wahnsinnig gerne dort hin. Jeden Morgen. Am Gründonnerstag hat sie uns schon um 7 Uhr aus dem Bett geworfen, weil sie jetzt sofort in den Kindergarten muss: "Der Osterhase kommt heute", rief sie aufgeregt.
Als ich dann im Kindergarten war, erklärte mir eine Kindergärtnerin voller Freude, der Herr Pfarrer käme heute und segne die Speisen. Die Ehrfurcht, die sie vor dem Herrn Pfarrer zu haben schien, erinnerte mich an meine Oma.
Nur, dass meine Oma 1926 in einem ganz kleine Dorf im Westerwald geboren wurde, und damit einer ganz anderen Generation angehörte. Da war der "Herr Pfarrer" eben wirklich noch irgendwie wichtig im Dorf.
"Kommt der Osterhase auch?", fragte ich schnell, voller Sorge, dass Greta enttäuscht werden könnte.
Der Pfarrer ist Greta nämlich nicht so wichtig. "Ja, ja, der Osterhase kommt auch", sagte die Kindergärtnerin. "Gut", dachte ich.
Für Greta ist es egal, ob da eine Dornenkrone aufgebahrt im Gruppenraum liegt, oder nicht. Sie weiß nicht, was das ist, und es scheint ihr noch gar nicht aufgefallen zu sein. Als ich sie danach fragte, wusste sie jedenfalls nicht, wovon ich sprach. Der Osterhase dagegen war wichtig. Auch das Osterhasenlied, das sie diese Woche geübt haben:
2 kleine Hasen tanzen auf dem Rasen
hinter dem Haus
wackeln mit dem Schwänzchen
denn beim Hasentänzchen kennen sie sich aus
Greta sang das Lied diese Woche mit der gleichen Inbrunst wie letzte Woche das Kreuzweglied. Sie tanzte dazu mit mir in de Küche und wackelte sehr lustig mit ihrem Popo dazu.
In Gretas Gruppe gibt es Kinder aus allen möglichen Ländern, wobei der Migrantenanteil insgesamt nur so hoch ist, dass die Migrantenkinder von den einheimischen Kindern sehr gut Deutsch lernen können. Es gibt Kinder aus allen Schichten. Einige Kinder aus sogenannten Wohlstandsfamilien, viel Mittelschicht und einige Kinder, bei denen man merkt, dass die Eltern finanziell und menschlich sehr zu kämpfen haben.
Auch wenn sie ihr Schnuffeltuch mitnehmen will zum Schlafen und eine Babyflasche für ihr Wasser (Greta will immer noch ein bisschen Baby sein, seit Lilli auf der Welt ist, Vgl. dazu Schwestern). Keiner ärgert sie damit. Keiner grenzt sie aus. Keiner lacht. Und als "Preißenkind" ist sie auch noch nicht beschimpft worden. Was auch immer Greta jetzt ist, mit einer "zugroasten" (zugezogenen) Preißenmama und einem österreichischen Vater?
Außerdem ist der Kindergarten direkt in der Nachbarschaft. Wir treffen die Kinder aus Gretas Kindergarten auch am Spielplatz und da wird oft gleich weitergespielt.
Ich bin sehr froh, so einen Kindergarten für Greta gefunden zu haben.
Gretas Gruppe im Kindergarten besuchen sehr unterschiedliche Kinder. Sie lernt dort, dass es nicht allen Kindern so gut geht wie ihr. Sie sieht, dass es Kinder aus anderen Ländern gibt, die nicht die gleiche Muttersprache haben wie sie selbst.
Aber es gibt nicht allzu viele Kinder, die aggressiv sind, und denen man anmerkt, das zu Hause nicht gut mit ihnen umgegangen wird. Der Umgangston ist freundlich.
Schimpfwörter bringt Greta auch nicht mit nach Hause....
Die könnte sie auch eher von ihrer Mama lernen!
Aber dazu mehr in anderen Blogartikel.
Dienstag, 15. April 2014
Vom Eierlegen und Kinderkriegen
Ich wollte immer Kinder, hielt mich für jemanden, der gut mit Kindern kann. Babys fand ich nicht besonders. Nicht besonders süß. Ein Durchgangsstadium. Als wir beschlossen, ein Kind zu bekommen, war ich darum ein wenig durcheinander. "Ich will schon ein Kind, ja", sagte ich zu meiner Frauenärztin, "aber ein Baby? Und schwanger sein? Das will ich eigentlich nicht. Ich hätte gerne gleich ein Kind. Es sollte mindestens zwei Jahre alt sein."
Meine Frauenärztin war da sehr pragmatisch: " Eierlegen haben wir noch nicht erfunden!" Und später: "Ach das schaffen sie schon!"
Mir war 16 Wochen übel. Die ersten Monate hatte ich abends Stimmungstiefs, die mir ziemlich unheimlich waren, da ich ja nicht wusste, ob das je wieder besser würde. Wurde besser, war dann ganz weg. Aber trotzdem habe ich mich nie so toll, und glücklich und gesund und schwanger gefühlt, wie das immer in der NIDO steht. Ich fand Schwangersein oft einschränkend und lästig. Aber das Baby in meinem Bauch habe ich gemocht.
Gegen Ende der Schwangerschaft hatte ich Angst. Angst vor der Geburt und dem Baby, das dann da sein würde.
Mitten in unserem Leben.
Angst vor dem Baby, das möglicherweise nur rumschreien würde und uns zu übermüdeten sexlosen Eltern machen würde. Ich hatte soviel Angst, dass ich fast wollte, dass das Baby in meinem Bauch bleibt.
Das Baby in meinem Bauch mochte ich. Aber wie würde es sein, wenn es mal raus wäre. Würde ich es mögen? Und was war mit der Geburt? Würde alles gut gehen? Was, wenn das Kind nicht gesund wäre? Würde ich schreckliche Schmerzen haben? Besser nicht drüber nachdenken!
Und dann war das Baby da. Die Geburt war ganz OK. Nicht schön, aber immerhin mit glücklichem Ausgang. Greta kam in einem sehr heißen Juli zur Welt. Doch von dem Moment an, als sie auf der Welt war, fiel nur noch Regen.
Es war August. Und plötzlich sehr kalt und nass. Aber wir hatten ein niegelnagelneues Baby. Das gut roch. Meistens zumindest. Wir tranken viel Tee. Aßen sehr viele Nussschnecken. Und wir waren zu dritt zu Hause und hatten Zeit. Und unser Baby fühlte sich so normal an, wie der Regen, der vom Himmel fiel.
Und nach ein paar Wochen begann wieder der Alltag. Mein Freund ging wieder arbeiten. Greta und ich krochen durch die erste schreckliche Kinderkrankheit und wurschtelten uns so durch. Ich im Pyjama. Unser Sofa vollgekotzt mit Milch. Greta recht ausgeglichen. Meistens. Lag auf dem Boden, robbte irgendwann, krabbelte schließlich.
Ein paar Kurse habe ich mit Greta schon besucht. Aber mehr, um eine Struktur in meinem Leben als Mama zu haben und um andere Mütter zu treffen, als um Greta zu fördern. Als so eine Pekip Dame mir sagte, ich müsse die Rassel jetzt so und so halten, damit Greta lerne, sich zu drehen, dachte ich nur: "Affen lernen auch sich zu drehen. Ganz ohne Rasseln und Pekip." Machte mir ein Kurs keinen Spaß, meldete ich uns ab. Wenn ich schon ein Jahr alleine zu Hause mit meinem Baby sein sollte, wollte ich wenigstens nur Dinge tun, die lustig waren. Nordic Walking mit Baby war lustig. Babyschwimmen auch. Eine Zeit lang zumindest.
Ich habe nie versucht eine Supermama für Greta zu werden. Ich wollte Zeitunglesen, Cappuccino trinken, währenddessen das Baby stillen oder ihm beim Wachsen zugucken und abends Freunde besuchen.
Ganz lange haben mein Freund und ich versucht, alles so zu lassen, wie es vorher war. Nur eben mit Baby. Ging natürlich nicht.
Immer wenn wir alles ganz lässig machen wollten, ging das schief. Der Weekendtrip mit Baby..... Greta schrie die halbe Nacht. Der Einkaufsbummel mit Greta in einer anderen Stadt... mehr nach Still- und Wickelplätzen gesucht, als eingekauft.
Wir lernten, dass doch nicht alles ging. Nicht Coolsein, Weiterfeiern, am Wochenende mal schnell wegfahren und ein Baby haben. Ging nicht. War nur Stress. Greta forderte Veränderungen. Mehr Langsamkeit, mehr Organisation.
Nein, es war kein Eierlegen. Und ich bin froh, dass wir Greta nicht mit zwei Jahren bekommen haben. Wir konnten hineinwachsen ins Kinderhaben. Ganz langsam. Manchmal auch schnell. Wir haben uns angepasst. Greta hat uns gezeigt, wie das ist mit dem Kinderhaben. Sie war ein wunderbares Baby, aber sie forderte uns auch viel ab. Aber schließlich war sie ja auch ein Kind und kein Ei.
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