Samstag, 6. Dezember 2014

Fragen auf dem Weg zum Kindergarten Teil 2

"Was heißt arm, Mama?" fragt Greta.

"Manche Menschen haben sehr wenig Geld. Manche haben nicht genug zu essen, manche nicht einmal genug zu trinken, Greta."

"In Afrika, da gibt es arme Menschen, Mama. Die haben nicht genug zu trinken oder?"

"Ja, Greta, aber arme Menschen gibt es auch in Deutschland. Die haben zwar genug zu trinken, aber manche haben keine Wohnung und kein Bett oder auch nicht viel zu essen."

"Warum sind Menschen arm?"

"Weil wir nicht so gut teilen können, Greta. Wir müssten alle etwas abgeben, dann gäbe es weniger Armut auf der Welt."

"Und warum teilen wir nicht? Das ist doch nicht gut, wenn die Menschen in Afrika nichts zu trinken haben."

"Ach Greta, das bringt mich auf eine Idee: Du hast doch einen Wunschzettel fürs Christkind geschrieben. Da streichen wir einen Wunsch durch und dann soll das Christkind einem Kind in Afrika was bringen."

"Nein, Mama. Das geht nicht", sagt Greta.

Montag, 1. Dezember 2014

Fragen auf dem Weg zum Kindergarten Teil 1


"Mama, müssen Menschen sterben?"

"Ja, Greta, Menschen sterben."

"Tiere auch?"

"Ja, auch Tiere?"

"Und die Welt, stirbt die auch?"

"Ja, auch die Welt wird es irgendwann nicht mehr geben."

"Wie stirbt die Welt, Mama?"

"Möglicherweise wird sie von einem Meteroiten, d.h. einem sehr großen Stein, getroffen, möglicherweise  werfen die Menschen eine Bombe, die alles kaputt macht, vielleicht erkaltet unsere Erde, möglicherweise gerät die Erde in ein schwarzes Loch...."

"Und dann Mama, was ist danach?"

Freitag, 28. November 2014

Lilli und Greta gehen aus


Heute ganz früh am Morgen saß Lilli (1,5 Jahre) lange ruhig im Esszimmer. Wenn Lilli lange ruhig ist, mache ich mir Sorgen. Meistens stellt sie dann etwas an. Diesmal allerdings hatte Lilli etwas zu tun, das die meisten Frauen lieber in Ruhe erledigen: Sie machte sich chic.

Sie schmückte sich über und über mit Gretas Plastikarmbändchen und Kettchen und Holzperlen. Lilli sah aus, wie eine Mischung aus Indianer, Prinzessin Lillifee und Weihnachtsbaum.

Da sie selbst von ihrem Aufzug sehr überzeugt zu sein schien und sich heftig wehrte, als ich versuchte sie etwas krippentauglicher zu machen, ließ ich es einfach bleiben.

Lilli ist mein zweites Kind. Ich habe nicht mehr die Energie mit meinen Kindern über Dinge zu diskutieren, die es nicht wert sind.

Auf dem Weg zu Kinderkrippe und Kindergarten erklärte mir dann meine große Tochter Greta (4), warum das auch besser so war:

"Weißt du Mama", sagte sie, "Lilli hat sich so chic gemacht, weil wir nachher noch ausgehen, Lilli und ich."

"Alleine?", fragte ich.

"Ja, Mama. Wir gehen nach dem Kindergarten ins Cafe (hier denke sich der geneigte Leser einen Accent) und dann ins Restaurant und danach ins Kino. Und ganz am Schluss, wenn es schon dunkel ist, dann fahren Lilli und ich sehr lange Karussell auf dem Weihnachtsmarkt."

 "Und dann laufen wir um die Wette nach Hause, Mama! Weißt du, das haben wir gestern im Bett ausgemacht, Lilli und ich."

Montag, 6. Oktober 2014

Wie peinlich!

Heute war mir was peinlich. Zweimal sogar.
Zuerst bin ich mit beiden Kindern beim Einkaufen gegen ein Regal gestoßen und habe eine Packung Eier runtergeworfen. Ein paar Eier sind kaputt gegangen, der Boden war voller Eidotter und Eiklar und keiner kam mehr am Eierregal vorbei, weil da ja ich stand, mit dem Kinderwagen und mit Greta an der Hand und den Schuhen voller Ei.


Ich bat eine Angestellte um Hilfe. "Ja klar", sagte sie, "ich bringe Ihnen gleich eine Rolle Haushaltstücher." Aus gleich wurde später, aus später noch später. Alle Kunden guckten mich an. Irgendwann bat ich dann die Dame an der Fleischtheke, ob sie nicht so freundlich sein könnte, mir Papierhandtücher zu geben. Zum Wegwischen von Eiern, die ich runtergeworfen hatte.

Sie gab mir welche.
Zwei Stück.

Mit zwei Papierhandtüchern kommt man bei so viel Eiern nicht weit. Also weiter peinlich berührtes Warten, während Greta fröhlich und sehr laut einer Freundin aus dem Kindergarten, die gerade mit ihrer Mutter vorbeikam, erzählte, dass ihre Mama alle Eier runtergeworfen hätte.
"Alle waren es nicht", korrigierte ich meine Tochter, "nur ein paar."

Jedenfalls kam irgendwann diese freundliche Angestellte doch wieder zurück und drückte mir die Rolle Haushaltstücher in die Hand. So konnte ich die ganze Sauerei wenigstens beseitigen. Peinlich wars trotzdem. Und blöd.

Noch blöder wars kurz danach. Greta, Lilli und ich waren in der schönsten Buchhandlung in R. Da gibt es wunderbare Bilderbücher. Leider dürfen Kinder sie aber nicht anfassen, was mir das Büchergucken mit Greta ein bisschen schwer macht. Besonders, wenn sie eh schon müde und grantig ist. Heute war sie aber nicht müde und grantig.
Ich wollte mal wieder schön Büchergucken und darum betraten wir die Buchhandlung.



Greta setzte sich, wie vor Betreten der Buchhandlung abgemacht, brav an den Kindertisch und sah sich dort die beiden (ZWEI!) Bilderbücher an, die dort für Kinder zum Anfassen ausliegen.

Plötzlich zog Greta an meiner Jacke.
"Mama, ich muss mal", sagte sie. "Die haben hier ein Klo, Mama. Lass uns da hingehen."

Dazu muss man wissen, dass Greta so etwas wie eine Klotouristin ist. Sie liebt fremde Klos und sie geht sehr gerne da hin, um sich mal anzusehen, wie es dort so aussieht.
Außerdem benutzt Greta den: "Ich muss jetzt pieseln!"- Trick, wenn sie gelangweilt ist, weil ihre Mama zu lange in einem Laden rumguckt, oder wenn sie im Bett liegen soll und schlafen, oder, wenn sie eine Auszeit in ihrem Zimmer hat, weil sie z.B. Lilli weh getan hat.

Ich dachte, Greta sei bloß gelangweilt und wollte sich das Klo in der Buchhandlung mal ansehen und sagte: "Wenn es so dringend ist, dann gehen wir einfach heim, Greta."
"Ich kann es aber noch aushalten", sagte Greta.

Und dann sah ich mir einfach weiter schöne Bilderbücher an, bis Greta plötzlich zu weinen anfing und rief: "Ich muss jetzt pieseln!", während ihr der Urin schon die Beine hinunterlief. Die rote Strumpfhose war ganz nass, die Schuhe auch ein bisschen und auf dem Boden war eine riesige Urinlache.

Ich hätte im Boden versinken können. Es war schließlich meine Schuld.

"Soll ich ihnen eine Rolle Haushaltstücher bringen?", fragte der Buchhändler, der wirklich nicht sehr kinderlieb wirkt.
"Ja bitte", sagte ich.
"Wir haben auch ein Klo", sagte er. "Mmmh", sagte ich, "meine Tochter hat mich schon darauf hingewiesen. War meine Schuld. Ich dachte, sie müsste nicht wirklich. Es tut mir wirklich sehr leid", antwortete ich.
Und bei meiner Tochter habe ich mich ebenfalls entschuldigt. Ein Pixibuch gabs auch. Zum Trost, weil sie ohne Strumpfhose und mit vollgepieselten Schuhen nach Hause gehen musste.

"Mama", fragte sie vor dem Laden, "bekomme ich jetzt immer ein Pixibuch, wenn ich in einen Laden piesel?"


Mittwoch, 17. September 2014

Begegnung



Greta, Lilli und ich gingen gerade zum Spielplatz, als uns eine Mutter mit einem Kind in einem Rollstuhl begegnete. Das Kind war behindert und vielleicht ein Jahr jünger als Greta. Während ich Lilli im Kinderwagen vor mir herschob, überlegte ich, wie ich die Mutter des Kindes wohl anlächeln könnte, ohne ihr das Gefühl zu geben, ich hätte irgendwie Mitleid mit ihr. Trotzdem wollte ich ihr signalisieren, dass mir klar ist, dass auch mein Kind im Rollstuhl sein könnte und dass ich mir vorstellen kann, dass ihr Leben gerade nicht so einfach ist. Also doch irgendeine Form von Mitgefühl, aber ohne das Überlegene dabei.

Also während ich noch überlegte, ob es so etwas überhaupt gibt, Mitgefühl ohne dieses blöde Überlegene dabei, reines Mitfühlen eben, einfach ein Versuch sich in den anderen ein bisschen hineinzuversetzen, ohne dass das natürlich jemals möglich ist,....

Während ich all dies in meinem Kopf hatte, und der Frau sehr lieb zulächelte, riss sich Greta von meiner Hand los, rannte zu dem kleinen Mädchen im Rollstuhl und streichelte ihre Hand.

"Warum hast du das gemacht, Greta?", fragte ich sie kurz darauf.
 "Weil die lieb war", sagte Greta.



Rollstuhl, Behinderung, Behinderte, BeeinträchtigtKinderwagen, Sportkinderwagen, Push Kinderstuhl



Freitag, 5. September 2014

Greta und die Nachbarn



In unserer Straße ist eine Apotheke. Wir sind häufig in der Apotheke. Seit wir kleine Kinder haben, ist bei uns oft jemand krank. Greta liebt die Apotheke, denn es gibt dort Gummibärchen, die sie sich aus einer Plastikkuh herausholen darf. Plastikkuh ist gut, Gummibärchen sind super. Die Apothekerinnen sind auch nett, vielleicht, weil wir so oft da sind.

Eines Tages trafen wir eine der Apothekerinnen beim Bäcker. Sie stand in der Schlange vor uns. Greta und ich wollten Brot kaufen.
Plötzlich wurde Greta ganz unruhig und zupfte an meinem Pullover. Und als die Apothekerin die Bäckerei gerade verlassen wollte, rief Greta: "Warum bist du nicht in der Apotheke?!"
Die Apothekerin ging in die Knie, verkniff sich das Lachen und erklärte meiner Tochter geduldig, dass auch Apothekerinnen mal Hunger haben.

Gummibärchen bekommt Greta nicht nur in der Apotheke, sondern auch von ihrer Freundin, der Schneiderin. Wenn die Schneiderei geöffnet ist, und wir kommen gerade vorbei, geht Greta hinein und stattet ihrer Freundin einen Besuch ab. Das ist unter der Woche etwa täglich. Manchmal aber auch zweimal am Tag. Bisweilen dreimal.


"Was machst du heute, Greta?", fragt die Schneiderin dann immer.
"Heute gehen wir zum Spielplatz", sagt Greta. "Der Papa bleibt zu Hause. Ich geh mit der Mama. Und Lilli kommt auch mit."
"Und was machst du heute?", fragt sie.
"Ich muss arbeiten", sagt die Schneiderin.
"Und wann gehst du nach Hause?"
"Um sechs Uhr."
"Schläfst du hier?"
"Nein, ich wohne woanders. Hier arbeite ich."
 "Und wo gehst du aufs Klo?"
"Ein Klo habe ich schon hier."
"Wo?"
"Da hinten, siehst du?"
 Greta ist  beruhigt.
 "Krieg ich ein Gummibärchen von dir?"
"Hier hast du, meine liebe Freundin", sagt die Schneiderin.
"Morgen komm ich wieder", sagt Greta.

Vor unserem Haus steht eine Blumenfrau. Greta sagte jeden Morgen vor dem Kindergarten "Guten Morgen" zu ihr und die Blumenfrau schien immer zu beschäftigt, um ihr zu antworten.
Irgendwann beschloss ich, die Blumenfrau auch nicht mehr zu grüßen. Greta aber baute sich eines Morgens vor dem Blumenstand auf und sagte:

"Das finde ich nicht gut von dir. Ich sage immer `Guten Morgen` zu dir und du sagst nie was zu mir."


Ich schämte mich ein bisschen, war aber gleichzeitig stolz auf meine Tochter. Und dann kam eine sehr überraschende Reaktion von der Blumenfrau.
"Da hast du recht", antwortete sie Greta ,"ich bin die Luise und ich sag jetzt immer `Guten Morgen` zu dir."
Seitdem grüßen sie sich, die Blumenfrau und Greta.
"Guten Morgen, Luise!", ruft Greta kaum, dass wir das Haus verlassen haben.
"Guten Morgen, Greta! Alles gut bei dir?", fragt dann die Blumenfrau.
"Alles gut bei mir. Aber gestern warst du nicht da, Luise, warst du krank?", fragt Greta.
"Nein, ich hab gestern mal Urlaub gemacht. Ich hab alles sauber gemacht zu Hause", antwortet Luise.
"Die Fenster auch?", will Greta wissen.
"Ja, auch die Fenster."

Seit ich Greta habe, kenne ich viel mehr Menschen als früher. Ich staune, wie meine Tochter auf die Menschen zugeht. Staune, wie einfach und klar sie Dinge anspricht. Und wie freundlich die Leute zu Greta sind. Wie ernst sie sie nehmen und wie viel Zeit sie sich nehmen, für eine Unterhaltung mit einem kleinen Kind.



Mittwoch, 27. August 2014

Ferien oder: "Wann ist endlich wieder Kindergarten?"

Gretas Kindergeburtstag Ende Juli war ein voller Erfolg.

Es war mal laut und lustig und mal ganz leise und schön. Die Kindern haben getanzt und gespielt und Kuchen gegessen. Kein Kind hat geweint, obwohl ich mich innerlich schon darauf vorbereitet hatte (siehe:  Hilfe wir feiern Kindergeburtstag!).

Greta fragt mich nun jeden Tag, wann sie endlich wieder Geburtstag hat. Meine Antwort ist immer die gleiche: "Im Sommer, Greta, davor kommt noch der Herbst, der Winter und der Frühling. Das ist noch sehr lange hin, bis du wieder Geburtstag hast."

Jetzt sind erst einmal Ferien, Greta.

Ferien. Ich mag es zwar, morgens nicht so strukturiert in den Tag starten zu müssen, könnte aber gleichzeitig ausflippen, weil ich tagsüber so wenig Zeit habe.

Zeit für mich alleine meine ich. 



Lilli wird seit drei Tagen in der Krippe eingewöhnt, bleibt aber nur sehr kurz dort und nur mit Papa. Der Kindergarten ist von Anfang August bis Anfang September zu. Greta ist den ganzen Tag zu Hause. Und die ganze Nacht. Und dann wieder den ganzen Tag.

Da ist immer ein Kind bei mir. Meistens sogar zwei. Fast immer. Heute Nacht hat zuerst Lilli geweint und wurde dann vom Papa in unser Bett geholt und dann Greta, weil Lilli im Bett ganz eng beim Papa lag, wo sie doch liegen will. Nebeneinanderlegen konnte man die Kinder auch nicht (in der Bettmitte), weil Lilli Greta dann kratzt oder versucht mit ihr zu spielen.

Ab fünf Uhr war die Nacht so ziemlich beendet. Blöd für Herrn Frey und mich, dass wir beide gestern zusammen ausgegangen waren und dabei ein bisschen zu viel getrunken hatten. Nur ein bisschen. Grad so viel, dass es sehr lustig war. Gestern Abend zumindest. Heute nicht mehr. Mit einem leichten Kater und viel zu wenig Schlaf sind Kinder nicht gut auszuhalten.

Manchmal stehe ich ganz früh auf, nur um ein bisschen Ohnekinderzeit zu haben. Sehr oft geht das aber schief, weil entweder Greta oder Lilli hören, wie ich über den knarzenden Boden in die Küche zu schleichen versuche und dann höre ich schon das erste: "MAMA!" . Und das ist der Beginn meines Arbeittages.

Abends drehen Lilli und Greta zur Zeit recht auf. Am liebsten wollen die beiden auf unserem Sofa hüpfen. Lilli kann natürlich noch nicht hüpfen, aber sich drauf rumwerfen und auf die Lehne klettern und Beinahevomsofafallen kann sie schon sehr gut. Greta hüpft. Wild und laut und ungestüm.
Und ich finde es eigentlich schön, wenn die Kinder glucksen vor Lebensfreude und Sofahüpfen und Klettern. Aber dann wird es mir oft auch zu viel. In letzter Zeit wird es mir oft schnell zu viel.
Gestern habe ich Greta angeschrien: "Kannst du nicht mal leise sein? JETZT SETZ DICH EINFACH MAL HIN: GANZ STILL UND LEISE!"

Dann bin ich schnell ins Schlafzimmer gerannt und habe meinem Mann das Feld überlassen. Als ich lange genug im Bett gelegen hatte und  wieder ruhig war, bin ich zurück ins Wohnzimmer gegangen und habe mich fürs Schreien entschuldigt.

Und trotzdem ist es heute wieder passiert. Nach ausgiebigem Hüpfen und Heidilesen und Kuscheln hat mich Greta vor lauter Übermut gebissen und ich habe losgeschrien und bin wieder kurz weggegangen, nur um nicht die Fassung zu verlieren. Erst, als ich wieder ruhig war, habe ich mit Greta über den Biss geredet und übers Schreien und ich glaube nicht, dass es etwas gebracht hat.

Heute bin ich müde. Hoffentlich wirds morgen besser.

Greta und ich wollen schwimmen gehen.