Heute war mir was peinlich. Zweimal sogar.
Zuerst bin ich mit beiden Kindern beim Einkaufen gegen ein Regal gestoßen und habe eine Packung Eier runtergeworfen. Ein paar Eier sind kaputt gegangen, der Boden war voller Eidotter und Eiklar und keiner kam mehr am Eierregal vorbei, weil da ja ich stand, mit dem Kinderwagen und mit Greta an der Hand und den Schuhen voller Ei.
Ich bat eine Angestellte um Hilfe. "Ja klar", sagte sie, "ich bringe Ihnen gleich eine Rolle Haushaltstücher." Aus gleich wurde später, aus später noch später. Alle Kunden guckten mich an. Irgendwann bat ich dann die Dame an der Fleischtheke, ob sie nicht so freundlich sein könnte, mir Papierhandtücher zu geben. Zum Wegwischen von Eiern, die ich runtergeworfen hatte.
Sie gab mir welche.
Zwei Stück.
Mit zwei Papierhandtüchern kommt man bei so viel Eiern nicht weit. Also weiter peinlich berührtes Warten, während Greta fröhlich und sehr laut einer Freundin aus dem Kindergarten, die gerade mit ihrer Mutter vorbeikam, erzählte, dass ihre Mama alle Eier runtergeworfen hätte.
"Alle waren es nicht", korrigierte ich meine Tochter, "nur ein paar."
Jedenfalls kam irgendwann diese freundliche Angestellte doch wieder zurück und drückte mir die Rolle Haushaltstücher in die Hand. So konnte ich die ganze Sauerei wenigstens beseitigen. Peinlich wars trotzdem. Und blöd.
Noch blöder wars kurz danach. Greta, Lilli und ich waren in der schönsten Buchhandlung in R. Da gibt es wunderbare Bilderbücher. Leider dürfen Kinder sie aber nicht anfassen, was mir das Büchergucken mit Greta ein bisschen schwer macht. Besonders, wenn sie eh schon müde und grantig ist. Heute war sie aber nicht müde und grantig.
Ich wollte mal wieder schön Büchergucken und darum betraten wir die Buchhandlung.
Greta setzte sich, wie vor Betreten der Buchhandlung abgemacht, brav an den Kindertisch und sah sich dort die beiden (ZWEI!) Bilderbücher an, die dort für Kinder zum Anfassen ausliegen.
Plötzlich zog Greta an meiner Jacke.
"Mama, ich muss mal", sagte sie. "Die haben hier ein Klo, Mama. Lass uns da hingehen."
Dazu muss man wissen, dass Greta so etwas wie eine Klotouristin ist.
Sie liebt fremde Klos und sie geht sehr gerne da hin, um sich mal
anzusehen, wie es dort so aussieht.
Außerdem benutzt
Greta den: "Ich muss jetzt pieseln!"- Trick, wenn sie gelangweilt ist,
weil ihre Mama zu lange in einem Laden rumguckt, oder wenn sie im Bett
liegen soll und schlafen, oder, wenn sie eine Auszeit in ihrem Zimmer
hat, weil sie z.B. Lilli weh getan hat.
Ich dachte, Greta sei bloß gelangweilt und wollte sich das Klo in der Buchhandlung mal ansehen und sagte: "Wenn es so dringend ist, dann gehen wir einfach heim, Greta."
"Ich kann es aber noch aushalten", sagte Greta.
Und dann sah ich mir einfach weiter schöne Bilderbücher an, bis Greta plötzlich zu weinen anfing und rief: "Ich muss jetzt pieseln!", während ihr der Urin schon die Beine hinunterlief. Die rote Strumpfhose war ganz nass, die Schuhe auch ein bisschen und auf dem Boden war eine riesige Urinlache.
Ich hätte im Boden versinken können. Es war schließlich meine Schuld.
"Soll ich ihnen eine Rolle Haushaltstücher bringen?", fragte der Buchhändler, der wirklich nicht sehr kinderlieb wirkt.
"Ja bitte", sagte ich.
"Wir haben auch ein Klo", sagte er. "Mmmh", sagte ich, "meine Tochter hat mich schon darauf hingewiesen. War meine Schuld. Ich dachte, sie müsste nicht wirklich. Es tut mir wirklich sehr leid", antwortete ich.
Und bei meiner Tochter habe ich mich ebenfalls entschuldigt. Ein Pixibuch gabs auch. Zum Trost, weil sie ohne Strumpfhose und mit vollgepieselten Schuhen nach Hause gehen musste.
"Mama", fragte sie vor dem Laden, "bekomme ich jetzt immer ein Pixibuch, wenn ich in einen Laden piesel?"
Montag, 6. Oktober 2014
Mittwoch, 17. September 2014
Begegnung
Greta, Lilli und ich gingen gerade zum Spielplatz, als uns eine Mutter mit einem Kind in einem Rollstuhl begegnete. Das Kind war behindert und vielleicht ein Jahr jünger als Greta. Während ich Lilli im Kinderwagen vor mir herschob, überlegte ich, wie ich die Mutter des Kindes wohl anlächeln könnte, ohne ihr das Gefühl zu geben, ich hätte irgendwie Mitleid mit ihr. Trotzdem wollte ich ihr signalisieren, dass mir klar ist, dass auch mein Kind im Rollstuhl sein könnte und dass ich mir vorstellen kann, dass ihr Leben gerade nicht so einfach ist. Also doch irgendeine Form von Mitgefühl, aber ohne das Überlegene dabei.
Also während ich noch überlegte, ob es so etwas überhaupt gibt, Mitgefühl ohne dieses blöde Überlegene dabei, reines Mitfühlen eben, einfach ein Versuch sich in den anderen ein bisschen hineinzuversetzen, ohne dass das natürlich jemals möglich ist,....
Während ich all dies in meinem Kopf hatte, und der Frau sehr lieb zulächelte, riss sich Greta von meiner Hand los, rannte zu dem kleinen Mädchen im Rollstuhl und streichelte ihre Hand.
"Warum hast du das gemacht, Greta?", fragte ich sie kurz darauf.
"Weil die lieb war", sagte Greta.
Freitag, 5. September 2014
Greta und die Nachbarn
In unserer Straße ist eine Apotheke. Wir sind häufig in der Apotheke. Seit wir kleine Kinder haben, ist bei uns oft jemand krank. Greta liebt die Apotheke, denn es gibt dort Gummibärchen, die sie sich aus einer Plastikkuh herausholen darf. Plastikkuh ist gut, Gummibärchen sind super. Die Apothekerinnen sind auch nett, vielleicht, weil wir so oft da sind.
Eines Tages trafen wir eine der Apothekerinnen beim Bäcker. Sie stand in der Schlange vor uns. Greta und ich wollten Brot kaufen.
Plötzlich wurde Greta ganz unruhig und zupfte an meinem Pullover. Und als die Apothekerin die Bäckerei gerade verlassen wollte, rief Greta: "Warum bist du nicht in der Apotheke?!"
Die Apothekerin ging in die Knie, verkniff sich das Lachen und erklärte meiner Tochter geduldig, dass auch Apothekerinnen mal Hunger haben.
Gummibärchen bekommt Greta nicht nur in der Apotheke, sondern auch von ihrer Freundin, der Schneiderin. Wenn die Schneiderei geöffnet ist, und wir kommen gerade vorbei, geht Greta hinein und stattet ihrer Freundin einen Besuch ab. Das ist unter der Woche etwa täglich. Manchmal aber auch zweimal am Tag. Bisweilen dreimal.
"Was machst du heute, Greta?", fragt die Schneiderin dann immer.
"Heute gehen wir zum Spielplatz", sagt Greta. "Der Papa bleibt zu Hause. Ich geh mit der Mama. Und Lilli kommt auch mit."
"Und was machst du heute?", fragt sie.
"Ich muss arbeiten", sagt die Schneiderin.
"Und wann gehst du nach Hause?"
"Um sechs Uhr."
"Schläfst du hier?"
"Nein, ich wohne woanders. Hier arbeite ich."
"Und wo gehst du aufs Klo?"
"Ein Klo habe ich schon hier."
"Wo?"
"Da hinten, siehst du?"
Greta ist beruhigt.
"Krieg ich ein Gummibärchen von dir?"
"Hier hast du, meine liebe Freundin", sagt die Schneiderin.
"Morgen komm ich wieder", sagt Greta.
Vor unserem Haus steht eine Blumenfrau. Greta sagte jeden Morgen vor dem Kindergarten "Guten Morgen" zu ihr und die Blumenfrau schien immer zu beschäftigt, um ihr zu antworten.
Irgendwann beschloss ich, die Blumenfrau auch nicht mehr zu grüßen. Greta aber baute sich eines Morgens vor dem Blumenstand auf und sagte:
"Das finde ich nicht gut von dir. Ich sage immer `Guten Morgen` zu dir und du sagst nie was zu mir."
Ich schämte mich ein bisschen, war aber gleichzeitig stolz auf meine Tochter. Und dann kam eine sehr überraschende Reaktion von der Blumenfrau.
"Da hast du recht", antwortete sie Greta ,"ich bin die Luise und ich sag jetzt immer `Guten Morgen` zu dir."
Seitdem grüßen sie sich, die Blumenfrau und Greta.
"Guten Morgen, Luise!", ruft Greta kaum, dass wir das Haus verlassen haben.
"Guten Morgen, Greta! Alles gut bei dir?", fragt dann die Blumenfrau.
"Alles gut bei mir. Aber gestern warst du nicht da, Luise, warst du krank?", fragt Greta.
"Nein, ich hab gestern mal Urlaub gemacht. Ich hab alles sauber gemacht zu Hause", antwortet Luise.
"Die Fenster auch?", will Greta wissen.
"Ja, auch die Fenster."
Seit ich Greta habe, kenne ich viel mehr Menschen als früher. Ich staune, wie meine Tochter auf die Menschen zugeht. Staune, wie einfach und klar sie Dinge anspricht. Und wie freundlich die Leute zu Greta sind. Wie ernst sie sie nehmen und wie viel Zeit sie sich nehmen, für eine Unterhaltung mit einem kleinen Kind.
Mittwoch, 27. August 2014
Ferien oder: "Wann ist endlich wieder Kindergarten?"
Gretas Kindergeburtstag Ende Juli war ein voller Erfolg.
Es war mal laut und lustig und mal ganz leise und schön. Die Kindern haben getanzt und gespielt und Kuchen gegessen. Kein Kind hat geweint, obwohl ich mich innerlich schon darauf vorbereitet hatte (siehe: Hilfe wir feiern Kindergeburtstag!).
Greta fragt mich nun jeden Tag, wann sie endlich wieder Geburtstag hat. Meine Antwort ist immer die gleiche: "Im Sommer, Greta, davor kommt noch der Herbst, der Winter und der Frühling. Das ist noch sehr lange hin, bis du wieder Geburtstag hast."
Jetzt sind erst einmal Ferien, Greta.
Ferien. Ich mag es zwar, morgens nicht so strukturiert in den Tag starten zu müssen, könnte aber gleichzeitig ausflippen, weil ich tagsüber so wenig Zeit habe.
Lilli wird seit drei Tagen in der Krippe eingewöhnt, bleibt aber nur sehr kurz dort und nur mit Papa. Der Kindergarten ist von Anfang August bis Anfang September zu. Greta ist den ganzen Tag zu Hause. Und die ganze Nacht. Und dann wieder den ganzen Tag.
Da ist immer ein Kind bei mir. Meistens sogar zwei. Fast immer. Heute Nacht hat zuerst Lilli geweint und wurde dann vom Papa in unser Bett geholt und dann Greta, weil Lilli im Bett ganz eng beim Papa lag, wo sie doch liegen will. Nebeneinanderlegen konnte man die Kinder auch nicht (in der Bettmitte), weil Lilli Greta dann kratzt oder versucht mit ihr zu spielen.
Ab fünf Uhr war die Nacht so ziemlich beendet. Blöd für Herrn Frey und mich, dass wir beide gestern zusammen ausgegangen waren und dabei ein bisschen zu viel getrunken hatten. Nur ein bisschen. Grad so viel, dass es sehr lustig war. Gestern Abend zumindest. Heute nicht mehr. Mit einem leichten Kater und viel zu wenig Schlaf sind Kinder nicht gut auszuhalten.
Manchmal stehe ich ganz früh auf, nur um ein bisschen Ohnekinderzeit zu haben. Sehr oft geht das aber schief, weil entweder Greta oder Lilli hören, wie ich über den knarzenden Boden in die Küche zu schleichen versuche und dann höre ich schon das erste: "MAMA!" . Und das ist der Beginn meines Arbeittages.
Abends drehen Lilli und Greta zur Zeit recht auf. Am liebsten wollen die beiden auf unserem Sofa hüpfen. Lilli kann natürlich noch nicht hüpfen, aber sich drauf rumwerfen und auf die Lehne klettern und Beinahevomsofafallen kann sie schon sehr gut. Greta hüpft. Wild und laut und ungestüm.
Und ich finde es eigentlich schön, wenn die Kinder glucksen vor Lebensfreude und Sofahüpfen und Klettern. Aber dann wird es mir oft auch zu viel. In letzter Zeit wird es mir oft schnell zu viel.
Gestern habe ich Greta angeschrien: "Kannst du nicht mal leise sein? JETZT SETZ DICH EINFACH MAL HIN: GANZ STILL UND LEISE!"
Dann bin ich schnell ins Schlafzimmer gerannt und habe meinem Mann das Feld überlassen. Als ich lange genug im Bett gelegen hatte und wieder ruhig war, bin ich zurück ins Wohnzimmer gegangen und habe mich fürs Schreien entschuldigt.
Und trotzdem ist es heute wieder passiert. Nach ausgiebigem Hüpfen und Heidilesen und Kuscheln hat mich Greta vor lauter Übermut gebissen und ich habe losgeschrien und bin wieder kurz weggegangen, nur um nicht die Fassung zu verlieren. Erst, als ich wieder ruhig war, habe ich mit Greta über den Biss geredet und übers Schreien und ich glaube nicht, dass es etwas gebracht hat.
Heute bin ich müde. Hoffentlich wirds morgen besser.
Greta und ich wollen schwimmen gehen.
Es war mal laut und lustig und mal ganz leise und schön. Die Kindern haben getanzt und gespielt und Kuchen gegessen. Kein Kind hat geweint, obwohl ich mich innerlich schon darauf vorbereitet hatte (siehe: Hilfe wir feiern Kindergeburtstag!).
Greta fragt mich nun jeden Tag, wann sie endlich wieder Geburtstag hat. Meine Antwort ist immer die gleiche: "Im Sommer, Greta, davor kommt noch der Herbst, der Winter und der Frühling. Das ist noch sehr lange hin, bis du wieder Geburtstag hast."
Jetzt sind erst einmal Ferien, Greta.
Ferien. Ich mag es zwar, morgens nicht so strukturiert in den Tag starten zu müssen, könnte aber gleichzeitig ausflippen, weil ich tagsüber so wenig Zeit habe.
Zeit für mich alleine meine ich.
Lilli wird seit drei Tagen in der Krippe eingewöhnt, bleibt aber nur sehr kurz dort und nur mit Papa. Der Kindergarten ist von Anfang August bis Anfang September zu. Greta ist den ganzen Tag zu Hause. Und die ganze Nacht. Und dann wieder den ganzen Tag.
Da ist immer ein Kind bei mir. Meistens sogar zwei. Fast immer. Heute Nacht hat zuerst Lilli geweint und wurde dann vom Papa in unser Bett geholt und dann Greta, weil Lilli im Bett ganz eng beim Papa lag, wo sie doch liegen will. Nebeneinanderlegen konnte man die Kinder auch nicht (in der Bettmitte), weil Lilli Greta dann kratzt oder versucht mit ihr zu spielen.
Ab fünf Uhr war die Nacht so ziemlich beendet. Blöd für Herrn Frey und mich, dass wir beide gestern zusammen ausgegangen waren und dabei ein bisschen zu viel getrunken hatten. Nur ein bisschen. Grad so viel, dass es sehr lustig war. Gestern Abend zumindest. Heute nicht mehr. Mit einem leichten Kater und viel zu wenig Schlaf sind Kinder nicht gut auszuhalten.
Manchmal stehe ich ganz früh auf, nur um ein bisschen Ohnekinderzeit zu haben. Sehr oft geht das aber schief, weil entweder Greta oder Lilli hören, wie ich über den knarzenden Boden in die Küche zu schleichen versuche und dann höre ich schon das erste: "MAMA!" . Und das ist der Beginn meines Arbeittages.
Abends drehen Lilli und Greta zur Zeit recht auf. Am liebsten wollen die beiden auf unserem Sofa hüpfen. Lilli kann natürlich noch nicht hüpfen, aber sich drauf rumwerfen und auf die Lehne klettern und Beinahevomsofafallen kann sie schon sehr gut. Greta hüpft. Wild und laut und ungestüm.
Und ich finde es eigentlich schön, wenn die Kinder glucksen vor Lebensfreude und Sofahüpfen und Klettern. Aber dann wird es mir oft auch zu viel. In letzter Zeit wird es mir oft schnell zu viel.
Gestern habe ich Greta angeschrien: "Kannst du nicht mal leise sein? JETZT SETZ DICH EINFACH MAL HIN: GANZ STILL UND LEISE!"
Dann bin ich schnell ins Schlafzimmer gerannt und habe meinem Mann das Feld überlassen. Als ich lange genug im Bett gelegen hatte und wieder ruhig war, bin ich zurück ins Wohnzimmer gegangen und habe mich fürs Schreien entschuldigt.
Und trotzdem ist es heute wieder passiert. Nach ausgiebigem Hüpfen und Heidilesen und Kuscheln hat mich Greta vor lauter Übermut gebissen und ich habe losgeschrien und bin wieder kurz weggegangen, nur um nicht die Fassung zu verlieren. Erst, als ich wieder ruhig war, habe ich mit Greta über den Biss geredet und übers Schreien und ich glaube nicht, dass es etwas gebracht hat.
Heute bin ich müde. Hoffentlich wirds morgen besser.
Greta und ich wollen schwimmen gehen.
Freitag, 18. Juli 2014
Hilfe! Wir feiern Kindergeburtstag!
"Du wirst drei Jahre alt, also darfst du drei Kinder zu deinem Geburtstag einladen, Greta!", sagte ich letztes Jahr zu meiner älteren Tochter. "Gut, dann sollen Martina, Nora und Tilda kommen", sagte Greta. Martina ist meine Cousine. Sie ist 38. Wenn Greta meine Cousine und deren Töchter Nora und Tilda einladen wollte, dann war mir das nur recht. Leichter ging es für mich wohl nicht.
Dieses Jahr ist alles anders. Greta ist schließlich ein Kindergartenkind. Kindergartenkinder planen ihren Geburtstag unaufhörlich, das ganze Jahr lang.
Ist meine Tochter mit einem Kind böse, ruft sie laut: "Dich lad ich nicht zu meinem Geburtstag ein!"
Das ist Höchststrafe unter Kindergartenkindern. Schlimmer gehts nicht.
Oft ruft dann das andere Kind zurück: "Ich dich auch nicht." Und dann kommt irgendwann ein "Bäh, bäh!" und dann sind beide Kinder traurig.
Wenn beide lange genug traurig waren, wird wieder gespielt und alles ist wieder gut. Kindergeburtstagseinladung inklusive. Erwachsene sollten vielleicht auch so streiten, denke ich manchmal. Irgendwie dauert bei uns die Versöhnung oft länger und ist auch komplizierter.
Ist Greta sauer auf mich, schreit sie auch ganz laut: "Dann lade ich dich eben nicht zu meinem Kindergeburtstag ein!" oder, wie sie meint, noch schlimmer: "Ich feier meinen Geburtstag im Kindergarten und du darfst nicht mitfeiern, Mama!"
Wie oft habe ich gedacht, dass das eigentlich ganz ideal wäre, wenn Greta mich nicht einladen würde zu ihrem Kindergeburtstag. Ich hasse Kindergeburtstage ebenso sehr wie Kuchen backen. Und für so einen Kindergeburtstag muss man ganz schön viel Kuchen backen.
Niemand hat gesagt, dass man so viel Kuchen backen muss, wenn man ein Kind hat. Hab wahrscheinlich die Jobbeschreibung fürs Mamasein nicht richtig gelesen.
Für Gretas 4. Geburtstag brauche ich sage und schreibe VIER Kuchen. VIER!
Bin ich eine Kuchenmaschine? Zwei Kuchen müssen wir in den Kindergarten mitbringen, damit alle 25 Kinder und die drei Erzieherinnen feiern können. Und dann brauchen wir noch einen Kuchen für den Geburtstag zu Hause (zum Kerzenausblasen und für den Großelternbesuch am Nachmittag). Ach ja, und einen natürlich noch für den Kindergeburtstag, der an einem anderen Tag statt finden soll, damit nicht alles zu viel wird für Greta. (Und damit ist jetzt nicht der Kuchen gemeint.)
Ich hab Angst vorm Kindergeburtstag.
Das Kuchenproblem habe ich soweit ganz gut gelöst. Zwei Backmischungen, wohlgemerkt Biobackmischungen (für die ernährungsbewussten Leser) stehen schon im Schrank und zwei Kuchen habe ich bei Eismann bestellt. Schokokuchen... etwas anderes kommt für Greta nicht in Frage.
So, bleibt noch die Geburtstagsfeier.
Diesmal habe ich Greta gesagt, sie dürfe vier Kinder einladen. Greta änderte jedoch ständig die Liste dieser vier Freundinnen. Plötzlich durfte nicht einmal mehr eine ihrer drei besten Freundinnen kommen.
"Aber, Greta, warum darf jetzt die Nele nicht mehr zu deinem Geburtstag kommen? Du warst doch auch bei ihrem Geburtstag und du magst die Nele doch so gerne", sagte ich überrascht.
"Weil die Lisa sonst weint!", entgegnete Greta entrüstet, "Nele kommt einfach nächstes Jahr, hat sie gesagt, die weint nicht. Aber die Lisa, die muss ich unbedingt einladen, sonst weint sie. Hat sie gesagt!"
Die kleine Nele ist ein ganz liebes Mädchen. Geschwisterkind. Zweites Kind. Weint nicht so viel. Versteht, dass man manchmal auch warten muss, damit jemand anderer nicht traurig ist. Ziemlich viel emotionale Kompetenz für eine Vierjährige (eben erst vier geworden!), finde ich. Und die Nele sollte unbedingt eingeladen werden. Sie spielt so schön mit Greta und die beiden mögen sich wirklich.
Irgendwann wurde mir klar, dass Greta sich in einer Zwickmühle befand. Vier Kinder einladen stellte sie vor ein unlösbares Problem. Schließlich gibt es genau sechs gleichaltrige Mädchen in ihrer Kindergartengruppe, Greta inklusive. Wenn ich ihr erlaubte, vier Kinder einzuladen, war immer eines der Mädchen sauer auf sie, oder es drohte eben zu weinen.
Kein Wunder, dass Greta ständig ihre Liste änderte!
Also gut, Fehler eingesehen. Das Kind darf ausnahmsweise fünf Kinder einladen, auch wenn es erst vier wird.
Zum Glück hat schon eines der Kinder abgesagt. Lisa. Wird nicht weinen, da eingeladen, kann aber nicht kommen. Gut. Eins weniger, das auf Gretas Kindergeburtstag weinen wird.
Ich bin Lehrerin. Ich habe keine Probleme sechzig Fünftklässler zu beaufsichtigen, oder mit ihnen eine Wanderung zu machen, oder irgendwo draußen mit ihnen im Park zu spielen.
Aber: Ich habe Angst vor dem Kindergeburtstag meiner Tochter. Fünf Vierjährige.
Das finde ich völlig unberechenbar. Da weint dann plötzlich eins, weil die Sauce zu den Nudeln falsch ist, oder weil es bei einem Spiel nicht mitmachen will. Schlimmstenfalls aber dreht meine eigene Tochter einfach durch, weil ihr alles zu viel wird und weil sie so aufgeregt ist. Hilfe!
Wir feiern Kindergeburtstag!
Mittwoch, 9. Juli 2014
Vergleiche
Ich hab als Kind schon keine Wettbewerbe gemocht. Das war mir zuviel Druck. Also habe ich gar nicht erst mitgemacht. War entspannter. Ich war immer schon einer sehr gute Schwimmerin, aber an den Wettbewerben meines Vereins wollte ich nicht teilnehmen. Also hat mich der Verein nicht weiter gefördert. Irgendwann blieb ich in immer der gleichen Gruppe hängen, obwohl ich längst besser schwamm als die anderen Kinder. War mir egal. Fast egal zumindest.
Unter den Müttern am Spielplatz herrscht ein unglaublicher Wettbewerb. Das fängt schon bei den Klamotten für die Kinder an: "Oh, das ist aber eine schöne Hose, die deine Tochter da trägt!", sage ich. "Ach die, die habe ich gebraucht gekauft!", ist dann oft die Antwort.
Gebraucht gekauft und schön ist das absolut Beste, was so eine Mutter klamottentechnisch leisten kann. Nicht nur, dass die Hose wunderschön ist, nein, sie wurde auch noch billig von der Mama erjagt. Oft natürlich bei ebay. In stundenlangem Bietmarathon. Oder wirklich im Secondhand, nach unzähligen Besuchen. Oder aber beim Babybasar: im Kampf mit anderen Mamas. Schneller sein. Billiger einkaufen. Schönere Sachen fürs eigene Kind bekommen.
Natürlich hört der Wettbewerb bei den Klamotten nicht auf. Babykurse sind legendäre Orte für Vergleiche aller Art: Was kann dein Kind, was meins?
Mit Greta war ich mal ein paar Stunden in PEKip. "Halt mal die Rassel neben dein Kind, dann dreht sie sich vielleicht", sagte mir die gute PEKip Frau.
"Ach ja", dachte ich, "aber lernen Affen nicht auch sich zur Seite zu drehen. Ganz ohne PEKip und Rasseln an der Seite?"
Was die Bewegung betrifft, so glaube ich, dass die Kinder alles von ganz alleine lernen. In ihrem eigenen Tempo. Zu ihrem eigenen Zeitpunkt. Ohne Rasseln. Ohne PEKip.
Ich bin da nur hingegangen, um andere Mütter kennen zu lernen. Nachdem ich dann feststellte, dass es da nur um die Babys ging und um deren Förderung, bin ich nicht mehr hingegangen. Meine Kinder müssen nicht mit Rasseln zu irgendetwas gebracht werden. Das lernen sie alles. Zu Babykursen gehe ich nur, um entweder selbst Spaß zu haben oder um mein Kind zu unterhalten.
Spaß gemacht hat mir Nordic Walking mit Baby. Ach ja, Greta fand es auch lustig in der Manduca zu sitzen und durch den Wald getragen zu werden.
Spaß gemacht hat meinen Kindern das Babyschwimmen. Ich selbst fand das weniger vergnüglich. Dieses ganze Anundausziehen und im babypi...warmen Wasser rumplantschen... Das habe ich wirklich nur für Greta und Lilli gemacht, die das Wasserplantschen dafür wirklich toll fanden.
Babymassage hab ich mit Greta gemacht. Hat uns beiden gefallen. Ich konnte mit anderen Mamas quatschen und Greta fand die Berührungen schön.
Aber nach der Babyzeit hört die ganze Förderei ja nicht auf. Die richtige Krippe, der richtige Kindergarten, die richtige Grundschule.... Gespräche darüber füllen viele Spielplatznachmittage.
Zweisprachigkeit ist der neue Trend hier in R. Find ich völlig überflüssig. Obwohl ich Englischlehrerin bin. Warum sollen Greta und Lilli in zweisprachige Einrichtungen gehen?
Das, was sie da lernen, können sie, wenn sie älter sind, so leicht und ganz nebenbei aufschnappen, indem ich sie mal ins Ausland schicke.
Jetzt sollen meine Kinder erstmal spielen. Frei spielen. Klettern. Laufen. Singen. Geschichten erfinden und Geschichten hören. Wasserplantschen und matschen. Dreckig werden. Sandburgen bauen und in Pfützen hüpfen.
Pfützen hüpfen und dabei Lieder singen halte ich für sehr förderlich für meine Kinder.
Unter den Müttern am Spielplatz herrscht ein unglaublicher Wettbewerb. Das fängt schon bei den Klamotten für die Kinder an: "Oh, das ist aber eine schöne Hose, die deine Tochter da trägt!", sage ich. "Ach die, die habe ich gebraucht gekauft!", ist dann oft die Antwort.
Gebraucht gekauft und schön ist das absolut Beste, was so eine Mutter klamottentechnisch leisten kann. Nicht nur, dass die Hose wunderschön ist, nein, sie wurde auch noch billig von der Mama erjagt. Oft natürlich bei ebay. In stundenlangem Bietmarathon. Oder wirklich im Secondhand, nach unzähligen Besuchen. Oder aber beim Babybasar: im Kampf mit anderen Mamas. Schneller sein. Billiger einkaufen. Schönere Sachen fürs eigene Kind bekommen.
Natürlich hört der Wettbewerb bei den Klamotten nicht auf. Babykurse sind legendäre Orte für Vergleiche aller Art: Was kann dein Kind, was meins?
Mit Greta war ich mal ein paar Stunden in PEKip. "Halt mal die Rassel neben dein Kind, dann dreht sie sich vielleicht", sagte mir die gute PEKip Frau.
"Ach ja", dachte ich, "aber lernen Affen nicht auch sich zur Seite zu drehen. Ganz ohne PEKip und Rasseln an der Seite?"
Was die Bewegung betrifft, so glaube ich, dass die Kinder alles von ganz alleine lernen. In ihrem eigenen Tempo. Zu ihrem eigenen Zeitpunkt. Ohne Rasseln. Ohne PEKip.
Ich bin da nur hingegangen, um andere Mütter kennen zu lernen. Nachdem ich dann feststellte, dass es da nur um die Babys ging und um deren Förderung, bin ich nicht mehr hingegangen. Meine Kinder müssen nicht mit Rasseln zu irgendetwas gebracht werden. Das lernen sie alles. Zu Babykursen gehe ich nur, um entweder selbst Spaß zu haben oder um mein Kind zu unterhalten.
Spaß gemacht hat mir Nordic Walking mit Baby. Ach ja, Greta fand es auch lustig in der Manduca zu sitzen und durch den Wald getragen zu werden.
Spaß gemacht hat meinen Kindern das Babyschwimmen. Ich selbst fand das weniger vergnüglich. Dieses ganze Anundausziehen und im babypi...warmen Wasser rumplantschen... Das habe ich wirklich nur für Greta und Lilli gemacht, die das Wasserplantschen dafür wirklich toll fanden.
Babymassage hab ich mit Greta gemacht. Hat uns beiden gefallen. Ich konnte mit anderen Mamas quatschen und Greta fand die Berührungen schön.
Aber nach der Babyzeit hört die ganze Förderei ja nicht auf. Die richtige Krippe, der richtige Kindergarten, die richtige Grundschule.... Gespräche darüber füllen viele Spielplatznachmittage.
Zweisprachigkeit ist der neue Trend hier in R. Find ich völlig überflüssig. Obwohl ich Englischlehrerin bin. Warum sollen Greta und Lilli in zweisprachige Einrichtungen gehen?
Das, was sie da lernen, können sie, wenn sie älter sind, so leicht und ganz nebenbei aufschnappen, indem ich sie mal ins Ausland schicke.
Jetzt sollen meine Kinder erstmal spielen. Frei spielen. Klettern. Laufen. Singen. Geschichten erfinden und Geschichten hören. Wasserplantschen und matschen. Dreckig werden. Sandburgen bauen und in Pfützen hüpfen.
Pfützen hüpfen und dabei Lieder singen halte ich für sehr förderlich für meine Kinder.
Mittwoch, 25. Juni 2014
Mmmmmmmmmmmmmmmmmh!
"No come ( = sie isst nicht)", sagte die Großmutter von Isabella. Für eine spanische Großmutter ist das eine Katastrophe. Isabella, zwei Jahre alt, saß gerade in ihrem Buggy und aß.
Kuchen! Zum Frühstück! Im Buggy!
Ihre Großmama deutete auf meine kleine Lilli und meinte "Schau mal, Isabella, so sollst du essen!"
Lilli aß gerade ein Stück Brezel. Zweites Frühstück.
Da musste ich lachen.
Lilli als Vorbild für gutes Essen?
Lilli isst Wurst und noch mehr Wurst. Ansonsten auch Fleisch, Hühnchen mag sie gerne (am liebsten Hähnchenkeule). Kuchen! Und sie liebt Vanilleeis. Ach ja, kalte Nudeln gehen auch, aber nur manchmal. Fisch! Besonders Fischstäbchen ohne Panade. Und Tomaten und Bananen. Butterkekse. Und manchmal Brezel.
Das wars dann aber auch schon.
Insgesamt scheint Lilli Trennkost zu bevorzugen. Sie mag es gar nicht, wenn man Beilagen und Fleisch mischt. Überhaupt nicht. Sie mag auch sehr vieles anderes nicht.
Alles, was Lilli nicht mag, wird sofort entsorgt.
Egal wie hungrig sie ist, was sie nicht mag, wirft Lilli in hohem Bogen auf den Boden. Und dabei schaut sie ziemlich erbost: "Wie könnt ihr mir so etwas nur auf meinen Teller legen? Seid ihr verrückt?", scheint sie dabei zu sagen.
Wenn man versucht, Lilli Joghurt oder Quark zu geben, verzieht sie ihr Gesicht, als hätte sie in eine Zitrone gebissen. Dann spuckt sie alles schnell wieder aus. Was sie nicht davon abhält, nochmal zu probieren, nur um wieder das Gesicht zu verziehen und alles auszuspucken.
Lilli trinkt immer noch sehr gerne ihre Milch. So etwa fünf bis sieben Flaschen am Tag. Ein bis zwei davon bekommt sie nachts.
Lillis Kinderärztin sagt: " Lilli darf nicht so viele Flaschen trinken. Sie muss mehr feste Kost zu sich nehmen."
Ich lächele dann und sage: "Ach, Lilli wird das überleben."
Vor ein paar Monaten hatte Lillis Kinderärztin noch gesagt: "Lilli muss unbedingt mehr als ein Glas am Tag essen." Lilli trank sehr viel Milch und aß etwa ein halbes Glas am Tag. Aber auch das nur, wenn sie gute Laune hatte. Ansonsten trank sie Milch und aß bei uns mit, was ihr so schmeckte.
Wir praktizierten so eine Art Baby Led Weaning. Nur, dass ich halt nicht mehr stillte und Lilli Flaschenmilch bekam. Zur Kinderärztin sagte ich: "Lilli mag keinen Brei. Sie wird es überleben."
Und Lilli lebt ganz gut. Die Ernährungsvorstellungen der Kinderärztin interessieren sie nicht. Sie isst nur, was ihr schmeckt, liebt ihre Milchflaschen und wiegt ein ganz kleines bisschen mehr als der Durchschnitt, wobei sie ganz durchschnittlich gewachsen ist. Mit ihren Maßen ist die Kinderärztin übrigens zufrieden.
Ich bin mit Lilli insgesamt zufrieden. Sie soll essen, was ihr schmeckt. Ich habe keine Lust mehr auf diese ganzen Richtlinien.
Bei Greta habe ich mich noch völlig verrückt machen lassen. Sie war auch sehr wählerisch als Baby. Sie wollte keinen Brei essen. Und ich hab alles versucht. Wollte unbedingt die Kinderärztin glücklich machen und natürlich die Verwandten, die alles besser wissen.
Gesungen habe ich für Greta, damit sie isst, Fliegerlöffel, selbst gekocht, die unterschiedlichsten Gemüsebreie aufgewärmt. Ratgeber gelesen. Das ganze Programm. Greta sollte schließlich gesund ernährt werden und möglichst keine Allergien bekommen. Nachdem ich selbst Allergien habe, dachte ich, ich muss das jetzt besonders gut machen. Also stillen, dann Pastinake, Pastinake-Kartoffel, Pastinake-Kartoffel-Fleisch, nach und nach verschiedene Gemüsesorten, irgendwann dann der Abendbrei und dann der Nachmittagsmantsch. Hat nicht geklappt.
Wir kamen nie über das halbe Glas Gemüse-Fleischbrei mittags hinaus. Abends hat Greta irgendwann ein paar Löffel Brei in ihre Flasche bekommen. Brei vom Löffel essen wollte sie gar nicht. Das halbe Glas mittags kostete mich genug Zeit und Kraft. Und ich fürchte, Greta auch.
Verwandte sahen mir beim Breifüttern zu und sagten immer: "Das kann man ja gar nicht mitansehen. Du machst das nicht richtig. Gib mal den Löffel her, ich mach das."
Und ich gab den Löffel her, hoffend, jemand nähme mir die lästige Geduld fordernde Fütterung ab, um dann nach spätestens fünf Minuten zu hören: "Die isst einfach nicht. Mach bitte du wieder weiter!" Und dann habe ich wieder weitergefüttert, gesungen, gefliegert.....
Es war nervtötend.
Nach Greta habe ich mir geschworen, so etwas nie wieder zu machen.
Auch bei Lilli gucken die Verwandten komisch, wenn sie sehen, welch eigenwillige Essvorstellungen unsere Tochter hat. Wenn Lilli an einem Hühnerbein nagt, sieht sie aus wie Pebbles Feuerstein.
"Gib ihr doch mal Kartoffel!", sagte meine Mutter am Wochenende.
"Mmmmh. Ja", sagte ich.
"Ich koch ihr jetzt mal eine Kartoffel. Du wirst schon sehen", sagte meine Mutter dann.
"Mmmmh. Ja", sagte ich.
Dann gab es endlich die gelobte Kartoffel. Lilli spuckte alles wieder aus. Schüttelte sich und warf die Kartoffelreste in hohem Bogen von ihrem Teller. Ihr Gesicht hatte wieder diesen Ausdruck von:
"Warum legt ihr so etwas auf meinen Teller? Seid ihr verrückt geworden?"
Heute hat Lilli ein bisschen Lachs, ein wenig Rindfleisch und eine halbe Banane gegessen, viele Milchflaschen getrunken, daneben ein paar Krümel von Gretas Schokokuchen, ein Löffelbiskuit ohne Zucker, am Abend Nudeln mit Ei.
Sie ist satt geworden.
Lilli isst ganz selbstständig. Und sie isst gerne.
Ich habe mir die ganze Löffelei erspart. Und ihr auch. Und ich habe keinen Stress mehr mit ihrem Essen. Keinen stimmt nicht, denn Lilli macht beim Essen sehr viel Sauerei, aber insgesamt stresst mich das viel weniger als das blöde Füttern bei Greta.
Ernährungspläne, Kinderärzte?
"Mmmmh. Ja?"
Am liebsten mag Lilli übrigens Ei. Sie bekommt zwar nur das Eiweiß, aber darauf ist sie ganz verrückt. "MMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMHHHHHH!", sagt sie dann und straht übers ganze Gesicht.
Und über Greta sagen sie im Kindergarten immer, sie sei so eine tolle und unkomplizierte Esserin.
Ist sie auch. Seitdem sie nicht mehr Brei löffeln muss und wir keinen Kindergesundernährungsplänen mehr folgen, isst Greta so ziemlich alles.
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